Der europäische Automobilsektor befindet sich im Niedergang. Ab 2025 bleiben die Umsätze 25 % unter dem Niveau vor der Pandemie, während die Produktion um etwa 20 % zurückgegangen ist, was Fabrikschließungen erzwingt und zu weit verbreiteten Überkapazitäten führt. Dieser Rückgang ist nicht nur ein kurzfristiger Rückgang; Es stellt einen Strukturwandel in der Branche dar und die Auswirkungen auf die Auftragsfertigung sind gravierend.
Das Ausmaß des Problems
Zahlreiche Fabriken, die einst die europäische Wirtschaft antrieben, wurden geschlossen, darunter große Fabriken wie Ford Saarlouis, Audi Brussels und Stellantis Luton. Die übrigen Anlagen arbeiten mit einer durchschnittlichen Auslastung von nur 55 % und liegen damit gefährlich nahe am Break-Even-Punkt (typischerweise zwischen 50 % und 80 %). Nach Angaben des Beratungsunternehmens AlixPartners müssten acht europäische Automobilwerke dauerhaft schließen, um ein nachhaltiges Kapazitätsniveau zu erreichen.
Dabei geht es nicht nur um stillgelegte Fabriken; Es geht um ein grundlegendes Ungleichgewicht zwischen Produktionskapazität und Nachfrage. Der europäische Markt ist geschrumpft, dennoch überproduzieren die Hersteller weiterhin, was zu unhaltbaren Bedingungen führt.
Das Schicksal der Vertragshersteller
Die Auftragsfertigung florierte, als die Nachfrage in Europa anstieg und die Automobilhersteller versuchten, die Produktion auszulagern. Jetzt, da die Nachfrage gedämpft ist und die Anlagen nicht ausgelastet sind, ist die Branche einer existenziellen Bedrohung ausgesetzt. Unternehmen, die einst auf feste Verträge angewiesen waren, bemühen sich, Lücken in ihren Produktionslinien zu schließen.
Valmet: Eine Fallstudie zu Risiko und Resilienz
Valmet Automotive aus Finnland veranschaulicht die Herausforderungen. Das Unternehmen blickt auf eine lange Geschichte der Auftragsarbeit zurück und produziert Fahrzeuge für Saab, Lada, Opel/Vauxhall, Porsche und sogar gescheiterte Startups wie Think City EV und Fisker Karma.
- Höchstproduktion: 110.000 Einheiten im Jahr 2018 (Mercedes A-Klasse und GLC)
- Produktion 2024: 89.065 Einheiten (Mercedes A-Klasse und AMG GT 4-Türer Coupé)
- Zukunftsausblick: Produktion der Mercedes A-Klasse und des AMG GT 4-Türer-Coupés bis 2026, danach sind die Verträge ungewiss.
Die Erfahrung von Valmet mit insolventen Kunden verdeutlicht die Risiken, die sich daraus ergeben, sich auf unbewiesene Unternehmungen zu verlassen. Das Unternehmen baut derzeit verschiedene Mercedes-Modelle, sieht sich jedoch mit einer drohenden Lücke in seinem Produktionsplan konfrontiert, da das AMG GT 4-Türer-Coupé durch ein in Deutschland gebautes Elektromodell ersetzt werden soll.
Das Gesamtbild
Der Rückgang der europäischen Automobilproduktion ist kein Zufall; Dies ist eine Folge veränderter Verbraucherpräferenzen, wirtschaftlicher Stagnation und der Verbreitung von Elektrofahrzeugen, die unterschiedliche Produktionsanforderungen haben. Die Automobilhersteller konsolidieren ihre Produktion und bevorzugen Effizienz gegenüber Diversifizierung.
Vertragshersteller müssen sich anpassen, sonst riskieren sie eine Veralterung. In der Branche könnte es zu einer zunehmenden Konsolidierung kommen, wobei nur die effizientesten und anpassungsfähigsten Unternehmen überleben werden. Die Zukunft hängt davon ab, ob Vertragshersteller spezialisierte Dienstleistungen anbieten oder langfristige Partnerschaften mit großen Automobilherstellern sichern können.
Das Schicksal der Auftragsfertigung in Europa hängt von einer brutalen Realität ab: In einem schrumpfenden Markt werden nur die wettbewerbsfähigsten überleben.
