Renault bereitet die Ausstattung seiner Elektrofahrzeuge (EVs) der nächsten Generation mit einem neuartigen „Super-Hybrid“-Antriebsstrang mit einem kleinen Benzinmotor als Range Extender vor. Dieser Schritt erfolgt, da der Autohersteller anerkennt, dass die Einführung von Elektrofahrzeugen in einigen Märkten langsamer als erwartet voranschreitet, insbesondere dort, wo die Angst vor der Reichweite weiterhin ein erhebliches Hindernis darstellt.
Bewältigung der Reichweitenangst mit Hybridtechnologie
Das von Horse Powertrain – einem Joint Venture zwischen Renault und Geely – entwickelte System soll Reichweitenprobleme ausräumen, ohne das vollelektrische Fahren zu beeinträchtigen. Der C15 Range Extender besteht aus einem kompakten 1,5-Liter-Vierzylindermotor mit integriertem Generator und Wechselrichter, verpackt in einer Einheit, die nicht größer als eine typische Aktentasche ist. Dies ermöglicht eine flexible Installation an der Vorder- oder Rückseite eines Elektrofahrzeugs, vertikal oder horizontal ausgerichtet.
Es stehen zwei Versionen zur Verfügung: eine Version mit Saugmotor und 94 PS für kleinere Modelle und eine Variante mit Turbolader und 161 PS für größere Fahrzeuge. Entscheidend ist, dass der Motor die Räder nicht direkt antreibt; Stattdessen wird der Akku ausschließlich während der Fahrt aufgeladen.
Warum jetzt? Marktrealitäten und Flexibilität
Renault-Produktchef Bruno Vanel betonte die Notwendigkeit der Anpassungsfähigkeit im umkämpften C- und D-Segment (Kompakt- und Mittelklassewagen). Trotz der langfristigen Ambitionen für eine vollelektrische Produktpalette ist sich das Unternehmen bewusst, dass die Verbreitung von Elektrofahrzeugen uneinheitlich ist.
„Wir müssen flexibel bleiben … Die Einführung von Elektrofahrzeugen verlief nicht so schnell wie erwartet.“ – Bruno Vanel
Diese Flexibilität beruht auf praktischen Überlegungen. Für Regionen wie Südeuropa, in denen die Ladeinfrastruktur möglicherweise weniger entwickelt ist, oder für Fahrer, die nicht häufig laden können, bietet ein Range-Extender eine praktikable Lösung. Die Technologie könnte sich besonders gut für die kommende Elektrofahrzeug-Plattform von Renault eignen, die ab 2028 die Basis für die Kompakt- und Mittelklasse-Elektrofahrzeuge bilden soll.
Kosteneinsparungen und zukünftige Plattformziele
Die neue Plattform zielt darauf ab, die Produktionskosten im Vergleich zur aktuellen CMF-BEV-Plattform von Renault um 40 % zu senken. Dies deutet darauf hin, dass die Range-Extender-Option als Brückentechnologie positioniert werden könnte, die es Renault ermöglicht, effektiv im Wettbewerb zu bestehen, während der Markt für Elektrofahrzeuge reift und sich die Infrastruktur verbessert. Das Unternehmen verzichtet nicht auf Elektrofahrzeuge; Vielmehr geht es darum, eine breitere Zugänglichkeit und Attraktivität zu gewährleisten.
Letztendlich spiegelt die Entscheidung von Renault einen pragmatischen Ansatz zur Elektrifizierung wider und erkennt an, dass vollelektrische Fahrzeuge noch keine universelle Lösung für alle Fahrer oder Regionen sind. Durch das Angebot von Range-Extendern neben reinen Elektrofahrzeugen möchte der Autohersteller die Marktdurchdringung maximieren und den Übergang zu einer nachhaltigeren Zukunft beschleunigen.
