Der schnelle Übergang zu Elektrofahrzeugen (EVs) im Unternehmenssektor hat zu erheblichen Marktverzerrungen geführt. Während die Umstellung auf Elektrifizierung ein wichtiges politisches Ziel ist, deutet ein neuer Bericht der British Vehicle Rental and Leasing Association (BVRLA) darauf hin, dass der Anstieg bei elektrischen Firmenwagen die „organische“ Verbrauchernachfrage übersteigt, was zu einer drohenden Krise für den Gebrauchtwagenmarkt führt.
Die Treiber des EV-Anstiegs
Der explosionsartige Anstieg der Zulassungen von Elektrofahrzeugen ist nicht nur eine Verschiebung der Verbraucherpräferenzen, sondern das Ergebnis spezifischer wirtschaftlicher und regulatorischer Hebel:
- Aggressive Herstellerrabatte: Um die staatlichen Vorgaben für Null-Emissions-Fahrzeuge (ZEV) zu erfüllen, bieten Hersteller hohe Rabatte für den Transport von Elektrofahrzeugen an.
- Steueranreize: Der Hauptgrund bleiben die extrem niedrigen Benefit-in-Kind (BIK) -Steuersätze. Im Jahr 2026/27 wird ein Elektrofahrzeugfahrer nur mit 4 % des Listenpreises des Fahrzeugs besteuert, verglichen mit 25 % für effiziente Benzinmodelle. Dies macht die Fahrt mit Elektrofahrzeugen für Mitarbeiter im Rahmen von Unternehmensprogrammen deutlich günstiger.
- Der Aufstieg des Gehaltsverzichts: Diese Programme, bei denen Mitarbeiter Autos über den Lohn vor Steuern leasen, haben ein enormes Wachstum erlebt. Das Volumen der Lohnopfer stieg im Jahr 2025 um 125 %, wobei Elektrofahrzeuge im letzten Quartal 77 % dieser Neuauslieferungen ausmachten.
Diese Kombination hat die Eintrittsbarriere so effektiv gesenkt, dass fast die Hälfte dieser Leasinglieferungen nun an 20 %-ige Steuerzahler geht, eine Bevölkerungsgruppe, die früher für solche Regelungen nicht in Frage gekommen wäre.
Die wachsende Diskrepanz: Unternehmens- und Privatnachfrage
Es zeigt sich eine deutliche Kluft zwischen unternehmensgetriebenem Leasing und privatem Konsumverhalten. Während die Flotten von Business Contract Hire (BCH) um 10 % wuchsen, schrumpften die Flotten von Private Contract Hire (PCH) um 4 %**.
Dies deutet darauf hin, dass Unternehmen und Arbeitnehmer aufgrund von Steuervorteilen zwar überstürzt auf Elektrofahrzeuge umsteigen, die breite Öffentlichkeit jedoch nicht diesem Beispiel folgt. Diese „künstliche“ Nachfrage erhöht die Zahl der Elektrofahrzeuge auf der Straße, die letztendlich auf dem Gebrauchtmarkt verkauft werden müssen.
Der „Body Blow“: Finanzielle Risiken für Leasingunternehmen
Das Missverhältnis zwischen Neuzulassungen und tatsächlicher Marktnachfrage führt zu einem finanziellen „Perfekten Sturm“ für Leasingunternehmen:
- Wertverlustschocks: Leasingfirmen prognostizieren zu Vertragsbeginn die „Restwerte“ (den Wert eines Autos am Ende der Leasinglaufzeit). Da es jedoch ein Überangebot an gebrauchten Elektrofahrzeugen und eine geringe Nachfrage im Einzelhandel gibt, werden diese Autos für viel weniger als erwartet verkauft.
- Schwere Verluste: Unternehmen berichten von „Body Blow“-Verlusten, die sich bei der Wiedervermarktung von Elektrofahrzeugen aus der Flotte oft auf Tausende Pfund pro Fahrzeug belaufen.
- Steigende Mietkosten: Um sich vor diesen Verlusten zu schützen, erhöhen Leasingfirmen die monatlichen Mietgebühren für Elektrofahrzeuge schneller, als die tatsächlichen Listenpreise der Autos steigen.
Zukünftiger Gegenwind und strukturelle Mängel
Der BVRLA warnt davor, dass mehrere Faktoren dieses fragile Gleichgewicht weiter destabilisieren könnten:
- Politische Unsicherheit: Die Einführung der Pay-per-Mile-Steuer (eVED) für Elektrofahrzeuge im April 2028 führt bereits zu einem Rückgang der Bestellzahlen.
- Wirtschaftliche Volatilität: Geopolitische Spannungen, wie der Konflikt im Iran, drohen die Kreditkosten und die Inflation zu erhöhen, was den gesamten Neuwagenmarkt zum Erliegen bringen könnte.
- Der BIK-„Lock-in“: Ein großes strukturelles Problem besteht darin, dass die BIK-Steuer auf der Grundlage des ursprünglichen Listenpreises eines Fahrzeugs für dessen gesamte Lebensdauer festgesetzt wird. Die BVRLA schlägt vor, dass eine auf dem Gebrauchtwert eines Fahrzeugs basierende Steuer den Markt besser angleichen und dazu beitragen würde, den Zustrom von Fahrzeugen aus der ehemaligen Flotte aufzufangen.
Der aktuelle Boom bei Elektrofahrzeugen wird eher durch Steuervorteile und Vorschriften als durch die natürliche Verbrauchernachfrage angeheizt, was zu einem massiven Überschuss an Elektrofahrzeugen führt, den der Gebrauchtmarkt möglicherweise nicht aufnehmen kann.
Schlussfolgerung
Die Leasingbranche steht vor einer Phase hoher Volatilität, da der künstliche Anstieg der Einführung von Elektrofahrzeugen in Unternehmen mit der Realität eines schwachen Einzelhandelsmarkts zusammentrifft. Ohne strukturelle Änderungen bei der Besteuerung oder eine Stabilisierung der Restwerte drohen der Branche erhebliche finanzielle Verluste durch einen überversorgten Markt für gebrauchte Elektrofahrzeuge.
